Warum hast du kein Taxi genommen

Warum hast du kein Taxi genommen?
Eine Vollbremsung auf der Autobahn und die vielleicht letzte Chance für Vater und Sohn sich näher kennenzulernen

Alfred Krohn (66) ist schwer krank. Er hat Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Doch irdischen Dingen hat er nie große Bedeutung beigemessen. Er lebt in seiner eigenen Welt – einer unnahbaren Sphäre aus Gedanken und Geschichten. Seinem scharfen Verstand und seiner eisernen Disziplin verdankt er weltweite Berühmtheit als Schriftsteller.

Doch sein egozentrisches Wesen erschwert den Umgang mit ihm. Sein Sohn Paul (33) kann davon ein Lied singen. Jahrelang bemühte er sich erfolglos um dessen Aufmerksamkeit und Anerkennung. Seine Versuche, mit eigenen Prosatexten Alfred näher zu kommen, scheiterten. Mittlerweile ist Paul selber Vater und Lehrer. Der Literatur treu geblieben, hat er unter dem Pseudonym Robert Kamp einige Romane veröffentlicht, die sich wachsender Popularität erfreuen. Doch mehr noch als die Anerkennung der breiten Masse, interessiert ihn die Meinung seines Vaters. Diese direkt einzuholen traut er sich jedoch nicht.

Unter seinem Decknamen Robert Kamp bietet er Alfred ein Vorwort für sein neues Buch zu schreiben. Als sein Vater ihn anruft – was selten vorkommt – und bittet ihn zu einer Routineuntersuchung ins Krankenhaus zu fahren, wird Paul skeptisch. Zu Recht, denn bis jetzt hat Alfred seine Krankheit vor der Familie geheim gehalten. Als Paul während der Fahrt herausfindet, wie es tatsächlich um seinen Vater steht, wird das ohnehin gespannte Verhältnis auf eine harte Probe gestellt, da diese Fahrt die letzte Möglichkeit für eine Versöhnung sein könnte. Um Zeit zu gewinnen, nimmt Paul nicht die vorgesehene Autobahnausfahrt, sondern fährt einfach weiter.

Das daraus resultierende Vorwurfskarussell artet in ein Handgemenge aus, in dessen Verlauf Paul beinahe die Kontrolle über den Wagen verliert. Nur um Haaresbreite entgehen die beiden einem Unfall. Nach einer Notbremsung auf dem Standstreifen geht das Wortgefecht in die zweite Runde. Doch auf dem schmalen Grat zwischen Fahrbahn und Wildschutzzaun finden die beiden nicht zueinander. Enttäuscht und ratlos bringt Paul Alfred schließlich zum Krankenhaus. Unfähig sich zu verabschieden bleiben sie schweigend vor der Notaufnahme sitzen.

Und erst jetzt, wo es nichts mehr zu sagen gibt – erst jetzt in der Stille – entsteht ein Moment der Gemeinsamkeit – eine flüchtige Annäherung der beiden; klein, zart und kostbar. Vielleicht ist es die letzte Begegnung der Beiden. Vielleicht ist es aber auch die erste Begegnung einer neuen Vater-Sohn-Beziehung.

Kurzfilm
14 Minuten
Regie
Caspar Kaeser
Drehbuch
Caspar Kaeser
Produktion
Mike Beilfuß
Matthias Greving
Darsteller
Christoph Bantzer
Jens Harzer
Kamera
Lür Wangenheim
Schnitt
Friederike Weymar
Ton
Rolf Seidelmann
Musik
André Feldhaus
Marcel Noll
Grafik
Sven Peters
Team Nawrot
Herstellungsleitung
Matthias Greving
Förderung
nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen